Is it right - or is it wrong ?

Gestern habe ich dieses Foto aus dem Shooting mit Krissi bei Facebook gepostet - quasi als kleinen teaser für die noch kommende Serie.

Mit Krissi in Münster

Mit Krissi in Münster



Kurz darauf kam dann folgender Kommentar: 


"Mich würde interessieren,was Dich zu diesem doch sehr unkonventionellen Bildschnitt veranlasst hat…..“

Zunächst war ich unsicher wie der Satz gemeint war. Eigentlich ist es eine ganz normale und legitime Fragestellung. Auf der anderen Seite: das hier ist Facebook. Und aus Erfahrung weiss ich wie Bilder zerrissen werden nur weil sie nicht den Normen entsprechen. In der Regel geschieht dies aber in Fotografengruppen und selten auf der Seite des Fotografen, nicht das man sich noch den Zorn der jeweiligen Follower auf sich zieht. Man hat ja was zu verlieren in dieser virtuellen Ersatzrealität. 

Meine Gedanken schweiften ab von der ursprünglichen Fragestellung und ich fing an zu grübeln. So ganz allgemein über „Fotobewertungen“ - sei es bei Facebook oder anders wo. Ich meine: wie wieviel „unkonventionalität“ verträgt ein Foto ? 

Es gibt einfach vergurkte Bildschnitte oder andere technische Belange die einfach nicht funktionieren. Das wird dann sehr gerne mit „das wollte ich so“ oder „das ist Kunst“ oder aber auch „ich find das ist mal was anderes“ schöngebogen. Aber wo liegt die Grenze ? Schauen wir uns doch mal klassische Fotobücher an. Da ist die Rede von Belichtungsmessern, dem goldenen Schnitt, Bildaufbau und Blendenzahl. Da wird geredet über Weißabgleich und Farbgestaltung. Gradiationskurven müssen genauso beachtet werden wie das Histogramm und die Haut muss faltenfrei - aber mit erkennbaren Poren - retouchiert werden. Und das Bild muss knackscharf sein- ganz wichtig ! ISO darf man AUF KEINEN FALL hochschrauben. Das rauscht ja. 

Kann man alles machen und sollte man auch alles im Hinterkopf behalten. Aber der Umkehrschluss sieht dann so aus: beachte ich alle diese Dinge mache ich ein gutes Foto. Ist das so ? Was ist mit Dingen wie Ausdruck, Bildgeschichte oder Emotionen ? Können unschärfen nicht "einfach schön" sein oder ein wenig das Kopfkino anregen ? Kann rauschen oder Körnung nicht ein Stilmittel sein um den Bild noch den nötigen Look zu geben der den Bildinhalt zusätzlich aufwertet ? 

Wenn ich so überlege bestechen viele Fotos die ich mag dadurch unperfekt zu sein nach diesen Definitionen. Da sucht man mitunter vergeblich nach dem scharfen Punkt im Bild weil einfach mal gar nix richtig fokussiert ist. Da ist ein Foto auch einfach mal (bewusst) unterbelichtet und funktioniert gerade deswegen so gut. Da tauchen Bildschnitte auf die weit weit weg sind vom goldenen Schnitt und gerade deswegen aussergewöhnlich wirken. Da werden auch einfach mal Körperteile abgeschnitten und wirken gerade deswegen besonders. 

Da fallen mir dann Sätze ein die ich aufgeschnappt habe. Zum Beispiel die eines befreundetem Fotografen dem in einem Workshop gesagt wurde „Portrait mit 35mm ist ein No Go da die Weitwinkligkeit Verzerrungen bewirken“ - Das hat man in der Vergangenheit öfter mal gehört. Ist aber leider ziemlicher Blödsinn. Nicht das 35mm Verzerrungen bewirken. Das sollte man im Blick haben. Aber daraus folgt das 35mm für Portrait ungeeignet sind ist abgelesener Quark der einfach mal unreflektiert weitergegeben wird. Zahlreiche Fotografen beweisen täglich das Gegenteil ! Oft habe ich auch gelesen (in den besagten Facebookgruppen beinahe täglich) : „ da hast du den Kopf angeschnitten, das geht nicht“ 

Doch geht. Siehste doch. Möglicherweise gefällt dir das nicht. Aber es geht. Es geht sogar oft sehr gut wenn der Gesamtkontext stimmt. Nur weil in den Fotografien der 80er Jahre in Fotostudios voll ausgeleuchtete Bilder mit grinsenden Protagonisten vor Batikgetränkten Hintergründen produziert wurden und hier nie auch nur irgendetwas angeschnitten wurde heisst das nicht das das „nicht geht“ - das heisst nur das du der das behauptet mal irgendwo etwas gelesen hat und daran so zwanghaft festhält das alles andere falsch ist. Ist es das ? Ist es wirklich falsch oder nur anders ? 

Vor kurzem sagte mein Kollege Damato Fotografie zu mir „du fotografierst total ehrlich“. Fand ich erstmal gut. Ehrlichkeit ist ein positives Merkmal und das für mich zu beanspruchen war eine schöne Vorstellung. Ich hab das zunächst auch nicht hinterfragt und mich einfach darüber gefreut. Aber später rückte er mit Details raus. Was er meinte war: "du fotografiere so wie du die Dinge siehst ohne darauf zu achten was andere gut oder nicht gut finden. Für dich und die Herrschaften die vor meiner Kamera stehen." Wow. Das war ja noch besser als „du fotografierst ehrlich“ - und möglicherweise sogar etwas überformuliert. Aber da trennen sich vielleicht die Wahrnehmungen. Für den einen ist es ehrliche Fotografie - andere zerlegen das Foto nach Schulbuchregeln -. und habe nichtmal so ganz unrecht. 

Klar. Das Foto hat einen ungewöhnlichen Bildschnitt. Beine sind abgeschnitten, der Himmel oben und die Pfützen sind ausgebrannt und das Gesicht wirkt ein wenig flau in den Farben. Kann man so sagen und ist faktisch nicht zu widerlegen. Ist so !

Aber wieviel Wert lege ich auf diese Dinge ? Am Ende muss das jeder für sich entscheiden. Ich mag das Foto so wie es ist. Weil es Krissi zeigt wie ich sie sehe. Klingt nach Rechtfertigung oder ? Soll es nicht sein. Nur eine Entscheidung die ich für mich getroffen habe. Unperfektion als Stilmittel und mit Spaß an der Sache als verkrampft Regeln zu befolgen um am Ende Fotos zu machen die alle machen. Technisch perfekte Duplikate. Ich nehme für mich nicht in Anspruch der einzige zu sein der „anders“ ist. Da gibt es viele und ich mag sie und Ihre Arbeiten. Vielleicht bin ich ja unbewusst auch ein Duplikat dieser Andersartigkeit und damit schon wieder in der gleichen Reihe wie die Regelnbefolger. 

Und wieder einmal wird mir klar: es gibt kein „Right or wrong“ Es gibt nur Fotos. Und Menschen die diese mögen oder eben nicht. 

Das ist alles. 

In diesem Sinne: habt Spaß an der Fotografie. Macht euch Gedanken oder nicht.

Aber macht mit Freude. Denn das sieht man immer.


Eurer Dan