Logbuch New York

Was ist das nur das Fotos zu etwas besonderem machen, obwohl (oder gerade weil?) sie offensichtliche „Mängel“ aufweisen. Also Mängel im Sinne von „perfekt abgelichtetes Motiv“ 

Da kommt nun dieser bärtige Typ in Anzug daher, erzählt das er drei Wochen durch New York läuft mit einer 500€ Taschenknipse und einer Mittelformat die er mit einem selbstgebastelten Objektiv (aus einer Diascheibe mit Fahrradschlauch) und aus den damit geschossenen Bilder ein Bildband veröffentlicht. 

Wenn man das so betrachtet muss man denken : der Typ hat sie nicht mehr alle Stramm.

Wenn man aber nun weiß das es sich bei diesem Verrückten um Steffen Böttcher handelt, kommt man schnell zu dem Schluß sich das ganze einfach mal anzusehen. Schließlich hat er in der Vergangenheit viele tolle Bilder gemacht und viele kluge Dinge gesagt. Er ist es der so viele kleine (Un)Wichtigkeiten in der Fotografie erkannt und in Worte gefasst hat. Vieles davon habe ich selber schon durch Erfahrungen festgestellt, vieles anders aber wurde mir erst bewusst durch seine Verdeutlichungen. Habe ich schon erwähnt das er auch tolle Bilder macht ?  Es lohnt sich also vermutlich doch mit diesem Buch zu befassen. Ausserdem mag ich Dinge die Anders sind. 

Also schau ich mir im Netz so diverse Sachen an. Die Preview Bilder des Buches die er bereits veröffentlich hat. Seine Buchvorstellung bei Krolop&Gerst wo er auch einiges zu den Entstehungsgeschichten der jeweiligen Bilder erzählt. 

Und umso mehr man diesem bärtigem Mann lauscht, umso deutlicher wird das er zwar wirklich nicht mehr alle Stramm hat, aber das in einem sehr positiven Kontext. Einfach mal was machen. Bilder im Kopf haben und der Idee folgen. Neues ausprobieren und nicht zu viel an anderen orientieren. Das Offensichtliche erkennen und Ignorieren - um dann etwas anderes, weniger offensichtliches festzuhalten. 

Und das hat er dann gemacht. Drei Wochen New York mit besagtem Material in der Tasche auf der Suche nach „seinen“ Bildern. Diese Bilder rausholen aus dem Kopf war wohl die Intention nehme ich an. 

Ich lausche ihm gerne wenn er erzählt. In seinen Worten findet sich diese Begeisterung für Fotografie die ich zu gut kenne. Am Ende aber ist alles was zählt das Ergebnis. 

(Anmerkung: ist es das ? Oder sind die Ergebnisse  festgehaltene Erlebnisse die mehr sind als das ?  ) 

Zu Weihnachten dann lag das „Logbuch New York“ tatsächlich unter dem imaginärem Weihnachtsbaum. Das Christkind in Person meiner Freundin Leonique hat mich erhöhrt.

Da lag es also vor mir. Ein echter Klopper im Format 29x35 cm auf 165 Seiten hochwertigem Papier. Und dieses erste Wahnsinnsfoto der New Yorker Skyline auf dem Cover. 

Und dann dieser Satz „photographed stories“ - ja das ist es doch. Er trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf der gute Steffen. Ich mag es wenn Fotos Geschichten erzählen - und beim durchblättern des Buches entdecke ich viele kleine Geschichten die er geschickt zu erzählen weis. Man erkennt was Steffen meint wenn er sagt „ich habe MEIN New York fotografiert“. Ich war noch nie dort und konnte „mein New York“ noch nicht entdecken. Aber mir gefällt Steffens New York sehr und die Reiselust steigt. Aber was halte ich hier eigentlich in der Hand ? Das ist doch kein Reiseführer der mir erzählen soll wie toll es ist diese Reise anzutreten. Das ist ein Buch eines Fotografen. Das sind festgehaltene Momente, Erinnerungen, Sichtweisen und Szenarien. Und mir wird klar: niemals werde ich Steffens New York selber entdecken können ausser in diesem Buch. 

Das Logbuch ist kein Lehrbuch. Es ist ein Buch voller Bilder. Nicht mehr und nicht weniger. Und ob sie DICH abholen kannst du nur selber rausfinden. Mach dich frei von fotografischen Nerdwissen und tauche ein in diese Welt. Mir brachte das mehr als jede Fotoschule. Zu erkennen das Bilder mehr sind als technische Ablichtungen. Eine Sichtweise die hier einmal mehr bestätigt wurde. 

 

p.s.: ich werde weder bezahlt noch sonstwie entlohnt für diesen Blogbeitrag. (schade eigentlich) Ich finde es nur erwähnenswert das es ein sehr besonderes Buch auf dem Markt gibt.