Daniel Lauber | Photography

stories

Wahrnehmung und andere wichtige Belanglosigkeiten

Vor einige Tagen sagte ein grade mit der Fotografie beginnender Enthusiast: „deine Bilder sind der Wahnsinn, Chapeau“ 

Ich hab mich darüber gefreut, bedankte mich artig und ertappte mich dabei zu denken „was weiß der schon, er fängt ja grade erst an und kann das gar nicht beurteilen“ 

In den folgenden Tagen jedoch musste ich daran zurückdenken und mir fiel auf wie abgehoben eigentlich meine Sicht war zu denken das er keine Fähigkeit haben soll Bilder beurteilen zu können.

Denn nach welchen Maßstäben geschieht denn so eine Beurteilung von Bildern ? Und welchen Regeln unterliegt eine solche Wahrnehmung ? 

Dazu muss man wissen nach welchen Kriterien er nun meine Bilder betrachtet hat. Weiß ich aber nicht. Hm, das bringt mich nicht weiter. 

Aber spielt es überhaupt eine Rolle ? Wenn dem Betrachter ein Bild gefällt, gefällt es Ihm. Völlig belanglos nach welchen Maßstäben, nach welchen Kriterien oder welches fotografisches Wissen er mitbringt um so eine Beurteilung analytisch durchführen zu können. Und da trennt sich wieder der Gedanke: gibt es das überhaupt ? Das perfekte Foto ? Es gibt Tausend Wege ein Foto zu kreieren. Und 10.000 Kleinigkeiten die ein Foto beeinflussen. Wie also soll so ein perfektes Foto aussehen ? Soll es knackscharf sein und damit den technischen Neuerungen unserer Zeit gerecht werden ? Dürfen unschärfen im Bild sein die vielleicht perfekt unperfekt daherkommen ? Was soll zu sehen sein ? Ein glückliches Paar ? Eine schöne Frau ? Ein bewegendes Ereignis ? Wie wichtig ist das Hauptmotiv ? Welche Rolle spielen die Hintergründe, Nebenmotive und Umgebung ? WAS brauche ich für das perfekte Bild ? Bildschnitt ? Farbgestaltung ? Brennweite ? Bokeh ? Mein Hirn zerrattert. Wieso zum Teufel tue ich mir diesen Streß an ? Wieso folge ich diesem Gedanken ein perfektes Foto machen zu müssen ? 

Je länger ich darüber nachdenke, um so eher beschleicht mich das Gefühl mich in einer Welt zu bewegen in der es mehr Fragen als Antworten gibt. Alle Fotos sind perfekt, und es gibt kein perfektes Foto. 

Ich besinne mich wieder darauf zu fotografieren. Das habe ich bisher auch getan und ich fühle mich gut damit.  Ich sehe die Dinge und halte Fest was sich meiner Meinung nach festzuhalten lohnt. Ich laufe durch die Gegend mit mittelmäßig durchtriebenen technischen Wissen das gerade einmal ausreicht um mir die nötige Freiheit zu geben nicht zu sehr über Technik nachdenken zu müssen um mein Ziel zu erreichen. Ich halte lieber die Augen auf oder versuche Bilder aus meinem Kopf real werden zu lassen indem ich sie inszeniere. Ich sehe Locations und denke „da muss ich mit einem Model hin“ oder sehe Menschen und denke „diesen Menschen möchte fotografieren“ und habe dabei bereits die Location im Kopf die zu meiner Inszenierung passen könnte. Spielt es jetzt noch eine Rolle was andere darüber denken ? Natürlich freue ich mich wenn meine Arbeiten anklang finden. In erster Linie aber ist es doch das Foto das vor mir liegt und das mir gefallen muss welches den Takt angibt. Und wieso zum Teufel glaube ich mehr zu wissen als der gerade mit der Fotografie beginnende Enthusiast. 

Beim nächsten mal freue ich mich, bedanke mich artig und denke „er hat recht. Auch wenn er unrecht hat“ 

Und mir kommt mal wieder dieses Zitat in den Sinn das sich Problemlos auf die Fotografie übertragen lässt. 

Über Musik reden ist wie zu Architektur tanzen
— Markus Wiebusch



4photographersDaniel Lauber